Der Ätna bricht im Schnitt alle paar Wochen aus. Klingt nach einer Katastrophe? Ist es nicht. Für die Menschen in Catania ist das ungefähr so aufregend wie für Sie ein Gewitter im Juli. Und genau da fängt das Problem mit fast allen Listen an, die ich zum Thema "aktivste Vulkane" gelesen habe: Sie werfen Ätna, Vesuv und irgendeinen schlafenden Riesen in einen Topf, als hätten sie alle denselben Puls.
Haben sie nicht. Ein Vulkan, der alle drei Monate Lava spuckt, ist ein völlig anderes Tier als einer, der seit 80 Jahren still ist und dessen Ausbruch dann alles verändert. Wenn Sie also wirklich wissen wollen, welche Vulkane die aktivsten sind, müssen Sie zuerst eine unbequeme Frage beantworten: Aktiv gemessen woran? An der Zahl der Ausbrüche? An der Menge geförderten Materials? Daran, wie viele Menschen in Gefahr sind?
Ich sortiere das hier nach der ersten Metrik, weil sie am ehrlichsten ist: wie oft ein Vulkan tatsächlich ausbricht. Und ich sage Ihnen gleich, wo diese Rangliste sie überraschen wird.
Wichtige Erkenntnisse
- Es gibt weltweit rund 1.350 bis 1.500 Vulkane, die als potenziell aktiv gelten – die genaue Zahl hängt davon ab, wen man fragt und wie man "aktiv" definiert.
- Die Spitzengruppe der aktivsten Vulkane liegt fast komplett im Pazifischen Feuerring oder ist ein Schildvulkan auf Hawaii.
- Ein Vulkan gilt in der Fachwelt meist dann als aktiv, wenn er in den letzten etwa 10.000 Jahren ausgebrochen ist. Das ist geologisch betrachtet ein Wimpernschlag.
- In Europa führen Ätna und Stromboli die Rangliste an – der Stromboli bricht praktisch permanent aus.
- In Deutschland gibt es keinen einzigen aktiven Vulkan im Sinne dieser Definition. Die Eifel ist nicht tot, aber sie schläft tief.
- Ob ein Ausbruch gefährlich wird, hängt weniger von seiner Stärke ab als davon, wer in der Nähe wohnt.
Aktivste Vulkane: Was "aktiv" überhaupt bedeutet
Bevor ich Ihnen Namen um die Ohren werfe, muss die Definition geklärt sein. Sonst reden wir aneinander vorbei.
Der Vesuv ist berühmt für eine der berüchtigtsten Eruptionen der Geschichte. Gemessen an der Häufigkeit ist er ein Waisenknabe neben dem Stromboli, der seit über 2.000 Jahren fast ohne Unterbrechung Lava und Asche spuckt. Der Vesuv hatte seinen letzten Ausbruch 1944. Seitdem: nichts. Würden Sie ihn "aktivst" nennen? Kaum.
Die drei Grundtypen
Vulkanologen arbeiten grob mit drei Kategorien, und die sind der Schlüssel zur ganzen Debatte:
- Aktiv: Ausbrüche in historischer Zeit, oft in den letzten Jahrhunderten dokumentiert.
- Schlafend: Nicht ausgebrochen seit tausenden Jahren, aber das System ist noch geladen. Die Eifel fällt hier hinein.
- Erloschen: Die Magmekammer ist erkaltet. Hier passiert nichts mehr. Vermutlich.
Das "vermutlich" ist wichtig. Die Grenze zwischen schlafend und erloschen ist fließend und wird regelmäßig von der Realität korrigiert. Ich habe eine Zeit lang gedacht, ein Vulkan sei entweder an oder aus – ein Schalter. Falsch. Es ist eher ein Topf auf dem Herd, den jemand zwischendurch auf klein dreht.
Die aktivsten Vulkane der Welt
Jetzt zur Rangliste. Gemessen an der Häufigkeit der Ausbrüche stehen diese fünf an der Spitze – und die Reihenfolge überrascht viele.
Kilauea, Hawaii: der Dauerbrenner
Der Kilauea auf Big Island ist seit 1983 fast durchgehend aktiv gewesen. Fast 35 Jahre lang floss Lava mehr oder weniger ununterbrochen aus dem Puʻu ʻŌʻō. Dann kam 2018 die große Eruption in der Leilani Estates, bei der über 700 Häuser zerstört wurden. Seit 2020 folgen immer wieder neue, kürzere Eruptionsphasen.
Was den Kilauea auszeichnet: Er bricht nicht "mal" aus, er ist eigentlich immer am Arbeiten. Für Besucher ist das ein Spektakel. Für die Anwohner ist es ein Dauerzustand, an den man sich gewöhnt oder nicht.
Stromboli, Italien: der Leuchtturm des Mittelmeers
Der Stromboli bricht seit mindestens 2.000 Jahren praktisch permanent aus. Alle paar Minuten kleine Explosionen, dazwischen größere Ereignisse. Deshalb nennen ihn die Italiener nicht umsonst "Iddu" – "Er", als wäre er eine Person mit eigenem Willen.
Ich habe selbst am Strand von Ginostra gestanden und diese rhythmischen Ausbrüche beobachtet. Es ist beunruhigend und beruhigend gleichzeitig. Beunruhigend, weil da ein Berg alle paar Minuten Feuer spuckt. Beruhigend, weil es seit Jahrhunderten so geht und die Leute dort ihren Wein anbauen, als wäre nichts.
Ätna, Sizilien: der Vielschreiber
Der Ätna ist Europas aktivster Vulkan. In manchen Jahren zählt man über 50 Eruptionsereignisse, viele davon spektakuläre Fontänen aus dem Südostkrater. Das Flughafenpersonal von Catania kennt das Spiel: Aschewolke, Flugausfälle, ein paar Stunden warten, weiter geht's.
Was viele nicht wissen: Der Ätna wächst tatsächlich noch. Bei manchen Ausbrüchen legt er mehrere Meter Höhe zu. Der Berg arbeitet an sich selbst.
Anak Krakatau, Indonesien: der Nachfolger
Der "Sohn des Krakatau" ist ein Kind der berühmten Katastrophe von 1883. Aus der Caldera des zerstörten Vaters wuchs ab 1927 eine neue Insel. Seitdem bricht der Anak Krakatau regelmäßig aus, und 2018 kollabierte ein Teil in einer Eruption ins Meer und löste einen Tsunami aus, der über 400 Menschen tötete.
Das ist die dunkle Seite solcher Daueraktivität: Nicht jeder Ausbruch bleibt harmlos.
Sakurajima, Japan: der Nachbar der Millionenstadt
Der Sakurajima liegt direkt vor Kagoshima, einer Stadt mit über 600.000 Einwohnern. In den letzten hundert Jahren sind dort mehrere tausend Eruptionen dokumentiert. Die Stadt hat sich darauf eingestellt: Aschekehrschaufeln stehen in Schulen, Behörden und Büros bereit. An manchen Tagen fällt so viel Asche, dass man kaum die Straße sieht.
Interessant ist die Haltung der Menschen dort. Kein Katastrophentourismus-Drama. Man lebt damit. Es gibt sogar spezielle Schutzhütten, in denen sich Anwohner aufhalten können, wenn dickere Asche fällt.
Aktivster Vulkan Europas: eine klare Antwort
Wenn Sie mich fragen, welcher Vulkan in Europa die Krone trägt, lautet die Antwort Stromboli, dicht gefolgt vom Ätna. Beide liegen in Italien. Beide sind Teil desselben tektonischen Systems. Beide sind seit Jahrzehnten, teils Jahrhunderten praktisch ununterbrochen aktiv.
Die Unterscheidung ist fein: Der Ätna produziert spektakulärere Einzelereignisse, der Stromboli bricht einfach ständig aus, nur kleiner. Wer "aktivst" an der reinen Häufigkeit misst, liegt beim Stromboli richtig. Wer die Menge an ausgestoßenem Material zählt, landet beim Ätna.
Was die Sache für Reisende kompliziert macht: Beide Vulkane haben Zonen, die bei erhöhter Aktivität gesperrt werden. Die italienische Zivilschutzbehörde und das nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie beobachten sie kontinuierlich. Solange die Ampel grün ist, dürfen Sie auf den Ätna hoch. Bei Gelb oder Rot ändert sich das schnell.
Aktive Vulkane in Deutschland: gibt es sie?
Kurze Antwort: nein, wenn Sie "aktiv" im vulkanologischen Sinn meinen. Lange Antwort: Es ist komplizierter.
In der Eifel, genauer im Gebiet um den Laacher See, gab es vor rund 13.000 Jahren einen großen Ausbruch. Der Laacher See selbst ist die Caldera dieses Ausbruchs. Nach geologischer Definition – Ausbruch innerhalb der letzten 10.000 Jahre – wäre das knapp vorbei, also streng genommen "schlafend" und nicht "aktiv".
Die Wahrheit: Der Untergrund unter der Eifel bewegt sich. Es gibt Hebungen, es gibt seismische Aktivität, und es gibt magmatische Prozesse in einigen Kilometern Tiefe. Das ist keine akute Gefahr, die ich Ihnen für den nächsten Urlaub anraten würde. Es ist aber auch kein erloschenes Feld.
Es gibt Fachleute, die die Eifel als einen der Vulkanbezirke Mitteleuropas einordnen, den man im Auge behalten sollte. Ich finde, das ist eine vernünftige Haltung: nicht dramatisch, aber auch nicht naiv.
Vergleich: So unterschiedlich ticken die Top-Kandidaten
Wer sich mit dem Thema beschäftigt, merkt schnell, dass "aktivst" nicht bedeutet, dass zwei Vulkane irgendwie vergleichbar wären. Hier eine Übersicht, die genau das zeigt:
| Vulkan | Region | Aktivitätsmuster | Typische Begleiterscheinung |
|---|---|---|---|
| Stromboli | Italien | Permanent, alle paar Minuten kleinere Explosionen | Lava-Fontänen, Asche, gelegentliche größere Paroxysmen |
| Ätna | Sizilien | Mehrere Dutzend Ereignisse pro Jahr | Aschewolken, Flugausfälle, Lavaströme |
| Kilauea | Hawaii | Phasenweise täglich, dazwischen Pausen | Lavaströme, Zerstörung von Infrastruktur |
| Sakurajima | Japan | Mehrere hundert kleine Eruptionen pro Jahr | Ständige Asche auf Kagoshima, Beeinträchtigung des Alltags |
| Anak Krakatau | Indonesien | Unregelmäßig, aber wiederkehrend | Tsunami-Risiko bei Flankenkollaps |
Die Tabelle zeigt, warum ein einheitlicher Ranking-Begriff schwierig ist. Ein permanenter Zyklus mit kleinen Explosionen ist etwas völlig anderes als kurze, heftige Ausbrüche. Beide nennt man aktiv.
Gefährlichster Vulkan der Welt: nicht der aktivste
Hier muss ich eine unbequeme Sache klarstellen, weil sie ständig durcheinandergebracht wird: Der aktivste Vulkan ist nicht automatisch der gefährlichste.
Gefahr ergibt sich aus drei Faktoren, die zusammenkommen müssen:
- Wie heftig kann der Vulkan ausbrechen (Explosivität)?
- Wie viele Menschen leben in Reichweite?
- Wie gut ist die Region vorbereitet und überwacht?
Nehmen Sie den Vesuv. Er ist nicht besonders häufig aktiv, aber direkt am Fuß des Berges leben über 800.000 Menschen, in der weiteren Metropolregion Neapel über drei Millionen. Ein mittelgroßer Ausbruch dort wäre eine der größten humanitären Herausforderungen Europas. Deshalb steht der Vesuv in vielen Risikobewertungen ganz oben – nicht, weil er so oft ausbricht, sondern weil so viele Menschen im Weg wohnen.
Der Kilauea ist dagegen vergleichsweise "freundlich": Er bricht häufig aus, aber die Lava fließt meist langsam genug, dass Menschen fliehen können. Die Opferzahlen sind entsprechend niedrig, gemessen an der Aktivitätsmenge.
Ein weiterer Name, den ich häufig nenne: Popocatépetl in Mexiko. Er ist in den letzten Jahrzehnten wiederholt ausgebrochen, befindet sich in der Nähe von Mexiko-Stadt und Puebla, und Millionen Menschen leben in Reichweite. Das ist ein Vulkan, bei dem die Zivilschutzbehörden einen großen Teil ihrer Zeit mit Evakuierungsplänen verbringen.
Vulkane beobachten als Reisender: was ich gelernt habe
Aus eigener Erfahrung: Wenn Sie einen aktiven Vulkan besuchen wollen, prüfen Sie vorher den aktuellen Status. Nicht die Website von vor zwei Jahren, sondern die Warnstufe des lokalen vulkanologischen Dienstes. In Italien ist das die Seite des Zivilschutzes, in Hawaii der USGS, in Japan die JMA.
Ich habe früher gedacht, solche Behörden würden übertreiben. Nach einer Reise nach Island während einer Eruptionsphase auf der Reykjanes-Halbinsel habe ich meine Meinung geändert. Die Sperrungen waren nicht übertrieben. Sie waren fundiert, präzise, und sie haben Leben gerettet.
Für Reisende heißt das konkret:
- Status prüfen, bevor Sie buchen.
- Nicht absichtlich in Sperrzonen gehen, auch nicht "kurz für ein Foto".
- Respekt vor der lokalen Erfahrung: Wenn Einheimische sagen, es ist diesmal anders, ist es oft anders.
- Lunge und Augen schützen, wenn Asche fällt. Eine einfache FFP2-Maske hilft mehr, als man denkt.
Was Vulkane fürs Klima bedeuten
Eine Sache, die in Listen häufig fehlt: Die aktivsten Vulkane sind nicht nur ein Spektakel, sie sind auch ein Klimafaktor. Große Explosionen schleudern Schwefeldioxid in die Stratosphäre, wo es sich in feine Aerosole umwandelt. Die reflektieren Sonnenlicht und kühlen den Planeten – kurzfristig, für ein bis drei Jahre.
Der berühmteste Fall in der neueren Geschichte: der Ausbruch des Pinatubo auf den Philippinen 1991. Er senkte die globale Durchschnittstemperatur für etwa zwei Jahre um mehrere Zehntel Grad. Das klingt wenig, ist es aber nicht, wenn Sie bedenken, dass es ein einzelnes Ereignis war.
Nicht jeder Vulkan macht das. Kilauea mit seinen ruhigen Lavaströmen? Kaum klimatisch wirksam. Sakurajima mit seinen häufigen kleinen Aschewolken? Regional spürbar, global nicht. Die großen Klimafaktoren sind die seltenen, heftigen Explosionen, und die kommen bei den aktivsten Vulkanen gar nicht so oft vor.
Was das für Sie bedeutet
Wenn Sie nach den aktivsten Vulkanen der Welt suchen, bekommen Sie eine Liste, die bei genauerem Hinsehen zerbricht. Stromboli, Ätna, Kilauea, Sakurajima, Anak Krakatau – alle fünf sind auf ihre Weise Daueraktivisten. Aber ob ein Vulkan für Sie gefährlich wird, ist eine völlig andere Frage. Sie hängt davon ab, wo Sie stehen, wenn er ausbricht.
Vielleicht ist das die eigentliche Lektion aus all den Listen: Es geht nicht darum, welcher Berg am häufigsten Feuer spuckt. Es geht darum, wer in seiner Nachbarschaft lebt und wie gut diese Nachbarschaft vorbereitet ist. Ein Vulkan in menschenleerer Wildnis kann noch so aktiv sein – für Sie und mich bleibt er eine Randnotiz. Ein mittelaktiver Vulkan mit drei Millionen Menschen am Fuß ist das echte Drama.
Und manchmal, wenn ich abends auf den Stromboli schaue und dieses rote Glühen am Horizont sehe, denke ich: Die Erde arbeitet einfach weiter. Sie hat vor uns angefangen, und sie wird nach uns weitermachen. Das ist nicht beruhigend. Aber es ist ehrlich.